Mindeheiten-Parteien

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    Gardestern

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    Mindeheiten-Parteien

    Beitrag von Gardestern am Di Okt 09, 2012 7:58 pm

    Elsaß-Lothringer

    In den "Reichslanden" trat am 1. Jan. 1874 die Reichsverfassung in Kraft. Bei den im gleichen Jahr stattfindenden Reichstagswahlen wurden in den Reichslanden 15 "Protestler" gewählt, die am 18. Febr. 1875 im Reichstag vergeblich versuchten, nachträglich eine Abstimmung der Bevölkerung vom Elsaß und von Lothringen über ihre Zugehörigkeit zu Deutschland oder Frankreich stattfinden zu lassen.

    1877 gewann die liberale Partei der Elsässer (Autonomisten) fünf Sitze. Sie stellte sich auf den Boden der gegebenen Verhältnisse und erstrebte für ihr Land ein möglichst großes Maß von Selbständigkeit.

    Durch die Wahlen von 1881 und 1884 kamen aus den Reichslanden nur Protestler und Klerikale in den Reichstag. Und seit 1903 schlossen sich die reichsländischen Abgeordneten teils den Nationalliberalen an, teils gingen sie ins Zentrum über.

    1892 wandte sich der "Figaro" an eine Reihe deutscher Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kunst mit der Frage, wie sie zur Rückgabe von Elsaß-Lothringen, evt. im Tausch gegen französische Kolonien, oder die Umwandlung der Reichslande in einen neutralen Staat denken.

    Exemplarisch ist die Antwort des Prof. Lujo Brentano:

    "...Ich halte die Rückgabe von Elsaß-Lothringen an Frankreich oder die Neutralisierung dieser Gebiete für unvollkommen unmöglich. Keine Gegenleistung, sei es in Geld oder in der Abtretung von Tonkin oder Madagaskar, würde jemals vom deutschen Volke angenommen werden. Die Erklärung dafür muß man in der Geschichte suchen. Straßburg wurde seinerzeit mitten im Frieden Deutschland durch Ludwig XIV. entrissen. Das Gefühl für diese schmachvolle Ungerechtigkeit ist im deutschen Volke niemals erloschen, zumal das Elsaß, solange es französisch war, Frankreich immer als Einfallstor gegen Deutschland gedient hat. Deutschland wird niemals damit einverstanden sein, daß dieses für seine Geschichte so gefährliche Gebiet jemals wieder in fremde Hände kommt, solange in Europa Gewehre und Kanonen über das Schicksal der Völker entscheiden. Ich will nicht bestreiten, daß eine große Anzahl der Bewohner von Elsaß-Lothringen noch wider ihren Willen Deutsche sind, und mit Bitterkeit ihre Gefühle den poltischen Interessen Deutschlands geopfert sehen. Ich bestreite ebensowenig, daß der Entschluß Deutschlands, Elsaß-Lothringen um seiner Sicherheit willen zu behalten, diesem Lande gleichzeitig schwere Opfer an Geld und Menschen auferlegt. Aber Sie dürfen die Zahl der Elsaß-Lothringer nicht überschätzen, deren Liebe zu Frankreich den Sie über ihre anderen Interessen davonträgt. Die Masse der elsässischen Bevölkerung ist unter der französischen Herrschaft nicht französisch geworden. Ich hoffe, daß Sie nicht annehmen, ich hätte, wenn ich das sage, auch nur die geringste Absicht, Sie zu verletzen; aber Sie glauben vielleicht, daß ich in utopistischen Illusionen befangen bin. Wenn das der Fall sein sollte, so erlauben Sie mir, daß ich Ihnen klassische Zeugen für meine Behauptung vorführe: Im Jahre 1869, also kurze Zeit vor dem Kriege, richteten die Herren Charles Kestner, Louis Chauffour, J. B. Rudolf, Dr. Klippel, Alfred Köchlin und August Scheurer aus Mühlhausen eine Aufruf in deutscher Sprache an die Arbeiter von Elsaß-Lothringen. Warum in deutscher und nicht in französischer Sprache? In ihrem Aufruf antworteten sie selbst auf diese Frage mit folgenden Worten: 'Einzig und allein deshalb, weil die Mehrheit und die überwiegende Mehrheit des elsässischen Volkes deutsch denkt, deutsch fühlt, deutsch spricht, ihren Religionsunterricht in deutscher Sprache empfängt, nach deutscher Sitte lebt und die deutsche Sprache nicht vergessen will. Eine große Zahl unter ihnen sprechen, schreiben und lesen freilich auch französisch, aber auch die, die Französisch gelernt haben, denken, fühlen und unterhalten sich miteinander trotzdem auf deutsch, und daurm sprechen wir zu ihnen in der Sprache ihrer Mütter, der Sprache ihrer Kindheit, der Sprache, in der sie ihre Kinder erziehen und liebkosen, ind er sie um ihre Frauen werben und sich beim Tode ihrer Eltern trösten.'"
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    Die Antisemitische Partei

    Beitrag von Gardestern am Di Okt 09, 2012 8:00 pm

    Unter der Nachwirkung der Gründerzeit (Konjunkturkrise)und angefacht durch die Agitation des Hofpredigers Stöcker trat gegen Ende der 70er Jahre erst in Berlin und schließlich in ganz Deutschland eine gegen Juden gerichtete Bewegung in Erscheinung. "Die Regierung ließ sie ruhig gewähren. Sie erblickte in ihr ein willkommenes Mittel zur Bekämpfung des die Großstädte beherrschenden Freisinns", heißt es in einer Quelle der 20er Jahre.

    Auf Grund eines vielseitigen Programms und "infolge skrupelloser Agitation" fand der Antisemitismus viel Zulauf, namentlich in Pommern, Sachsen und Hessen. Parlamentarisch trat die Antisemitische Partei zuerst 1890 hervor. Bei den Neuwahlen von 1891 gewann sie 16 Mandate.

    Aus den konvervativen Gruppierungen "Deutsch-soziale Partei" (unter Liebermann v. Sonnenberg) und die "Deutsche Reformpartei" (unter Böckel), die sich gegen Junker und Juden erklärte, entstand 1894 in Eisenach die "Deutsche Reformpartei".

    Bei den Wahlen 1893 bekamen die Antisemiten 18 Sitze, von denen 1898 zehn wieder verloren gingen. Seitdem verschwand die Partei allmählich bis Ende des Krieges wieder aus dem poltischen Leben.

    Der oben erwähnte ev. Pfarrer Stöcker hatte 1878 einen vor allem gegen die Sozialdemokratie gerichteten christlich-sozialen Arbeiterverein gegründet, der zugleich antisemitische Bestrebungen förderte.

    Als der Abgeordnete Hänel (DFP) im November 1880 einen antisemitischen Antrag im Reichstag einbrachte, antwortete die Regierung, daß sie keinerlei Änderung in der Gleichberechtigung aller religiösen Bekenntnisse in staatsbürgerlicher Hinsicht beabsichtige.

    Im April 1881 wurde dem Reichskanzler eine Bittschrift mit 255.000 Unterschriften vorgelegt, die einen Stopp von jüdischen Einwanderern abzielte sowie Juden von Richter- und Lehrämtern weitgehend ausschließen wollte. - Die Bittschrift wurde von der Regierung nicht beantwortet!

    Im Herbst 1882 fand in Dresden ein internationaler Antisemitenkongreß statt, der die Forderungen der Bittschrift wiederholte und zum Kampf gegen die jüdische Kapitalsmacht aufforderte. Im April 1883 folgte ein zweiter Kongreß gleichen Inhalts.

    Bei den Wahlen von 1887 kam einer und bei den Reichstagswahlen von 1890 fünf Antisemiten in den Reichstag.



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    Die Welfen-Partei

    Beitrag von Gardestern am Di Okt 09, 2012 8:05 pm

    Von dem entthronten König Georg V. gefördert, erstrebten die WELFEN seit 1866 die Wiederherstellung der Selbständigkeit des Königreichs Hannover unter dem alten Welfenhause an. Politisch der konservativen Richtung angehörend, schloß sich die nur wenige Mitglieder zählende Gruppe später dem ZENTRUM an. Desse Führer Windthorst hatte 1867 die Verhandlungen mit Bismarck über die Auseinandersetzung zwischen Preußen und em Welfenhause geführt und war seitdem dessen Berater und poltischer Vertreter.

    Im Zuge der Einigungskriege von 1866 war das Vermögen der Welfen durch Preußen beschlagnahmt worden.

    1892 erfolgte die Aufhebung des sog. Welfenfonds.


    Die Verhandlungen dazu hatte noch Windthorst geführt. Sie waren schließlich so weit gekommen, daß der Herzog von Cumberland am 10. März 1892 dem Kaiser einen loyalen Brief schrieb, der die Bitte enthielt, die Angelegenheit wegen Ausführung des Vertrages vom 29. Sept. 1867 über die Vermögensverhältnisse seines Hauses einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen. Darauf erließ der König von Preußen eine Kabinettsorder an das Staatsministerium, daß er den Zeitpunkt für gekommen sieht, die durch Verordnung vom 2. März 1868 verfügte Beschlagnahme des Vermögens von König Georg aufzuheben. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde am 31. März 1892 vom preuß. Landtag angenommen.

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    Re: Mindeheiten-Parteien

    Beitrag von Gardestern am Di Okt 09, 2012 8:06 pm

    Fritz antwortete im alten Forum darauf:

    Ursprünglich sollte Georg sein Vermögen erhalten, da er aber u.a. die Welfenarmee aufbauen wollte und die preußenfeindliche Zeitung "Situation" publizierte, entzog man die anfängliche Zustimmung zur Auszahlung wieder.
    Das Geld des Welfenfonds wurde u.a. dafür verwendet König Ludwig II zu kaufen, damit er der Krönung Wilhelm I zustimmte. So erhielt er mehrere Millionen und eine jährliche Summe zum Bau seiner Schlösser. Allerdings erhielt auch nach dem Tod von Georg seine Witwe Marie eine jährliche Rente von über 200.000 aus dem Welfenfonds.

    Der Welfenfonds wurde übrigens nicht 1892 aufgehoben in dem Sinne, dass das Haus Hannover sein Vermögen wieder erhielt. Lediglich die Zinsen aus dem Fonds wurden ihnen 1892 zugesprochen. Eine Entschädigung erfolgte erst in den 30er Jahren.
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    Die Polen

    Beitrag von Gardestern am Di Okt 09, 2012 8:07 pm

    Seit 1847 finden sich polnische Abgeordnete im preußischen Abgeordnetenhause und später auch im Deutschen Reichstage. Sie hielten sich meist zur katholischen Fraktion und dann zum ZENTRUM, das ihre politischen und kirchlichen Interessen mit Eifer wahrzunehmen pflegte.

    Nicht zuletzt als Reaktion auf die Germanisierungsbestrebungen vor allem in Westpreußen kämpften die Polen gegen preußische und Reichspolitik. Nur während der Ära Caprivi, der die Bismarcksche Ostmarkenpolitik ablehnte, stimmten die POLEN für die Heeres- und Flottenvorlagen.

    Fürst von Bülow, 1900 - 1908 Ministerpräsident Preußens und Kanzler des Deutschen Reiches,erklärte 1913:

    "Eine Kulturmission ist es gewesen, die uns Deutsche einst über die Elbe und die Oder nach dem Osten geführt hat. Das Kolonisationswerk im deutschen Osten, das... heut noch nicht beendet ist, ist nicht nur das größte, es ist das einzige, das uns Deutschen gelungen ist. Niemals in der Weltgeschichte ist um eine Kolonisation von solchem Umfange weniger Blut geflossen, weniger Gewalt geschehen, als um diese...

    Unsere Ostlande sind unser deutsches Neuland. Trotdem sie um Menschenalter früher staatlich einverleibt worden sind als Elsaß-Lothringen und Schleswig-Holstein, sie sie doch jüngere nationale Errungenschaften...

    Nicht als neuerworbenes, fremdes, sondern als zurückgewonnenes deutsches Land ward Westpreußen angesehen. Und mit Recht. Denn deutsch war dies Land unter der Ordensherrschaft plitisch gewesen, und deutsch war es geworden durch die Arbeit deutscher Siedler in Stadt und Land. Preußen brachte aber nicht nur dem westpreußischen Deutschen eine deutsche Herrschaft wieder und das schöne Recht, als Deutsche Bürger eines deutschen Staates zu sein, es brachte seinen neuen polnischen Untertanen Freiheit und Recht."

    Und er zitiert auch noch Friedrich d. Großen, welcher 1772 anläßlich der polnischen Teilung sagte:
    "Das sicherste Mittel, diesen geknechteten Leuten bessere Begriffe und Sitten beizubringen, wird immer sein, solche mit der Zeit mit deutschen zu vermischen, und wenn es nur anfänglich mit zwei oder drei in jedem Dorf geschenen kann."

    Als Bismarck 1885 seine Ostmarkenpolitik einleitete, da geschah dies zu einem wesentlichen Teil in Rücksicht auf Rußland und zu dessen Beruhigung. Nach seinem Ausscheiden erschienen die Polen durchaus regierungsfreundlich. Der polnischstämmige Abgeordnete v. Koscielski trat demgemäß 1891 für den Marineetat und 1893 für die Militärvorlage ein. (Was von besonderer Bedeutung ist, weil diese Vorlagen der Regierung stets sehr wichtig und allgemein recht umstritten waren.) Infolgedessen ist dieser Abgeordnete vom Kaiser persönlich mehrfach ausgezeichnet worden.

    Der Kultusminister v. Zedlich erließ im April 1891 eine Verfügung, die den Lehrern erlaubte, polnischen Sprachunterricht (der grundsätzlich Deutsch sein sollte!) privatim zu erteilen, und eine neue Prüfung der Frage befahl, ob die polnischen und zweisprachigen Kinder mit vollem Verständnis dem in deutscher Sprache erteilten Religionsunterricht zu folgen vermögen.
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    Die Alldeutschen

    Beitrag von Gardestern am Di Okt 09, 2012 8:08 pm

    1891 wurde der "Allgemein Deutsche Verband" ins Leben gerufen. Es handelt sich um einen "nationalen Schutz- und Agitationsverein" und führt seit 1894 die Bezeichnung "Alldeutscher Verband".

    Im § 1 seiner Satzung heißt es: "Belebung des vaterländischen Bewußtseins in der Heimat und Bekämpfung aller der nationalen Entwicklung entgegengesetzten Richtungen."

    Pazifisten und vor allem Sozialdemokraten bekämpften von Anfang an den Verband. Die Pazifisten beschuldigten die Alldeutschen der Kriegshetzerei und klagten sie an, das Ausland zur Abwehr ihrer maßlosen nationalen Ansprüche gereizt zu haben. Die Sozialdemokraten und die bürgerlichen Demokraten deklarierten die Alldeutschen zu "Chauvinisten".

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    Neuigkeiten zum Welfenschatz

    Beitrag von Gardestern am So Jan 19, 2014 11:45 pm

    Immer noch Streitigkeiten um den [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]


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