Luftaufklärung

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    Husaren14
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    Luftaufklärung

    Beitrag von Husaren14 am So Sep 30, 2012 1:07 am

    Nachdem im Jahre 1909 bei den Manövern des französischen Heeres Luftfahrzeuge mit großem Erfolg eingesetzt worden waren, hatte das deutsche Heer Nachrüstungsbedarf. Bei den Herbstmanövern 1911 wurden erstmals Flugmaschinen eingesetzt. Ihre Aufgabe war zunächst die Feindaufklärung und Nachrichtenübermittlung. Später kam dann als Aufgabengebiet die Artilleriebeobachtung hinzu.

    Geflogen wurde nach Sichtflugregeln. Der Einsatz war deshalb nur am Tage und bei guten Wetterbedingungen möglich. Bodennebel und Starkwind schlossen einen Einsatz der Flugmaschinen aus. Die ersten Einsatzmuster waren meist motorgetriebene Doppeldecker in Leichbauweise, die über gute Gleiteigenschaften und Kurzstart- und Landeeigenschaften verfügten.

    Dieter Oelke berichtet in seinem Buch über den Einsatz von Flugmaschinen beim Herbstmanöver des XVIII. Armee-Korps.
    Da das Korps über keine eigenen Maschinen verfügte, wurden beim "Frankfurter Flugsportclub" zwei Euler-Doppeldecker ausgeliehen. Die Maschinen wurden von einem Opel-Sternmotor mit einer Leistung von 55 PS angetrieben, hatten ein Eigengewicht von 250 kg und eine Tragfähigkeit von 2 Personen und 50 kg Kraftstoff. Bei einem Verbrauch von etwa 17 kg/Stunde konnten die Maschinen etwa 3 Stunden in der Luft bleiben.


    Euler-Doppeldecker


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    Ein Euler-Doppeldecker wurde von Leutnant Ferdinand von Hiddessen (Drag. Rgt. 24) geflogen. Beobachter war Leutnant Heinrich Scanzoni von Lichtenfels. Beide Kavallereie-Offiziere waren Flugschüler von August Euler.

    Die zweite Maschine wurde geflogen vom Leutnant der Res. Heyne (Ul. Rgt. 6). Beobachter war Einj.-Unteroffizier Reichhardt (Garde-Drag. Rgt. 23).



    Als drittes Flugzeug stand eine Fokker Spinne, ein Eindecker in Stahlbauweise (Goedecker-Apparat) zur Verfügung, die von Anton Fokker selbst geflogen wurde.


    Fokker Spinne
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    Die ersten Einsatzflüge wurden am 24. August 1911 durchgeführt. Der Aar-Bote berichtet am 27 . August darüber:

    "Darmstadt, 24. August. Der zurzeit auf dem Truppenübungsplatz übende Kavallerie-Ausbildungskurs hatte in den ersten Morgenstunden eine Aufklärungsübung gegen den Rhein auszuführen. Hierbei wurde außer den berittenen Patrouillen auch eine Flugmaschinen-Patrouille verlangt. Leutnant der Reserve Heyne vom Ulanenregiment Nr. 6 stieg unter Führung des Einjährigen-Unteroffiziers Reichhardt vom Garde-Dragonerregiment Nr. 23 um 5:30 Uhr in Darmstadt auf einer Euler-Flugmaschine auf und die beiden Flieger lösten die gestellte Aufgabe in einer halben Stunde, während die berittene Patrouille hierzu von 1 Uhr Nachts bis 7 Uhr Morgens unterwegs sein mußte. Nach Erledigung der Aufgabe wurde die Meldesammelstelle überflogen und die inzwischen in dem Aeroplan geschriebene Meldung in beschwertem Kuvert herunter geworfen." (Oelke, Dieter;2010;Kaiserliche Kriegsspiele, Verlag Regionalkultur)


    Der weitere Manöververlauf zeigte jedoch, daß die Maschinen wegen starker Winde ihre Aufgaben nicht oder nur teilweise erfüllen konnten und zum Teil abseits der vorgesehenen Landeplätze niedergehen mußten. Trotz Behinderung durch Bodennebel gelang es Hiddessen und Scanzoni jedoch am 19. September die feindlichen Linien zu überfliegen und eine genaue Skizzierung der Stellungen anzufertigen. Überall wo die Flugmaschinen auftauchten, erregten sie großes Aufsehen.

    Eine kritische Bewertung des Einsatzes von Flugzeugen im Manöver kam zu dem Schluß, daß das Maschinenmaterial weder in qualitativer noch in quantitativer Beziehung den Zukunftsanforderungen voll genügte. Trotz der anfänglichen Skepsis hoher Offiziere wurde der zu erwartende Nutzen in der Fernaufklärung erkannt, und die Entwicklung neuer Maschinen vorangetrieben.

    Quelle: Oelke, Dieter; 2010; Kaiserliche Kriegsspiele, Verlag Regionalkultur


    Zuletzt von Husaren14 am So Sep 30, 2012 7:04 am bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet


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    Re: Luftaufklärung

    Beitrag von Gast am So Sep 30, 2012 4:49 am

    Kaisermanöver fanden 1911 auch in der Nähe von Oder und Haff statt.
    100.000 Soldaten, darunter auch viele einberufene Reservisten, und 24.000 Pferde nahmen an dem Manöver in der Uckermark teil. Zwei Armeeoberkommandos wurden gebildet (Kaiser Wilhelm II. befehligte die „blaue“ Seite, der spätere Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg die „rote“ Seite) und jede Seite verfügte über eine Luftkampfkomponente von je einem Luftschiff und 8 Aeroplanen, wie man damals die Urahnen heutiger Kampfflugzeuge nannte. Prenzlau fungierte für die Zeit des Manövers (11. bis 13. September 1911) als Luftschiffhafen.

    Die Luftschiffer traten zum Kaisermanöver 1911 mit den Heeresluftschiffen „M III“ und „P I“ (P II war am 17. Mai 1911 havariert) an.
    Bei „M III“ handelte es sich um ein halbstarres Militärluftschiff des Typs Groß-Basenach. Es unternahm seine Jungfernfahrt am 31. Dezember 1909 und war mit einer Höchstgeschwindigkeit von 59 km/h das schnellste Luftschiff einer Zeit. Es besaß einen torpedoförmigen Schiffskörper, vorn stumpf und achtern spitz ausgebildet. In der Gondel befanden sich 4 Körting-Motoren mit insgesamt 300 PS die zwei vierflügelige Holzpropeller antrieben.

    Für die Luftschiffer sollte sich dieses Manöver, bei dem sie nur zu Aufklärungsfahrten eingesetzt wurden, als sehr verlustreich erweisen. Am 12. September 1911 ging „M III“ bei der Landung, wahrscheinlich durch Elektrizität, in Brand und wurde durch Feuer vollständig vernichtet.

    (Quelle: Amtsblatt Löcknitz-Penkun 06/2007)

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