Die Deutschkonservative Partei

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    Gardestern

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    Die Deutschkonservative Partei

    Beitrag von Gardestern am Mo Okt 01, 2012 5:00 am

    Die Deutschkonservative Partei wollte in Anerkennung der politischen Realität alle konservativen Kräfte sammeln.

    In ihrem Programm vom 12. Juli 1876 hob sie die wirtschaftlichen Fragen hervor. Demgemäß verlangte sie von der wirtschaftlichen Gesetzgebung "gleichmäßige Berücksichtigung aller Erwerbstätigkeiten und gerechte Würdigung der zurzeit nicht ausreichend berücksichtigten Interessen von Grundbesitz, Industrie und Handwerk", ferner Schutz der "redlichen Erwerbsarbeit gegen das Überwuchern der Spekulanten und des Aktienwesens", Sicherung und Förderung der "sittlichen und wirtschaftlichen Lage der Lohnarbeiter", des "friedlichen Zusammenwirkens von Arbeitgebern und Arbeitnehmern".

    Nachdem es innerhalb der Konservativen zum Streit gekommen war, in wie weit ihre Ziele durch Starrheit oder durch flexible Anpassung an die Realitäten erreicht werden können, spalteten sich 45 Männer unter Führung von Rauchhaupt von der KP ab, da sie letztgenannte Meinung vertraten.

    Sie bekannten sich zu einem monarchisch-nationalen Programm. In einem Wahlaufruf vom 15. Mai 1973 versprachen sie, "die Politik, durch welche Deutschland zur Einigkeit, Macht und Freiheit gelangt ist, mit vollster Hingebung" zu unterstützen und der Politik des Kulturkampfes "ihre volle Unterstützung" zu geben. Allerdings, so forderten sie, müsse dabei "der evangelischen Kirche zu der in der Verfassung vorausgesetzten Selbständigkeit" verholfen werden.
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    Gardestern

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    Re: Die Deutschkonservative Partei

    Beitrag von Gardestern am Mo Okt 01, 2012 5:03 am

    Heute kennt man zumeist das Kürzel "KP" für Kommunistische Partei, doch in der Kaiserzeit verstand man wahrlich das Gegenteil darunter, nämlich die Konservative Partei.

    Die Auslösung einer starken konservativen Bewegung in Preußen waren die Märzereignisse von 1848. Denn zu den sozialen und politischen Forderungen kam von den Revolutionären von '48 die nationale Einheitsbewegung. Bestimmte, in unserem Sinne konservative Kräfte, in Preußen hatten daher Angst, daß ihr Staat "in ein neues, dunkles und gefährliches Schicksal" geführt würde. "Aus der Reaktion des Altpreußentums gegen die Revolution und den Nationalismus" ist die Konservative Partei erwachsen.

    Weil in der Nationalversammlung vom Mai 1848 der Großgrundbesitz nur sehr schwach vertreten war, regte sich das Verlangen, eine Gegenkraft aufzubauen. Als erstes Organ entstand am 1. Juli 1848 die Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung und ihre Leser bildeten innerhalb der Konservativen die radikale Kreuzzeitungspartei.

    Bei der "Neuen Preußischen (Kreuz-)Zeitung" handelte es sich um ein Blatt, das unter der Redaktion von Hermann Wagener seit dem 1. Juli 1848 regelmäßig erschien. Es vertrat konservative, pietistische und feudalistische Interessen und wurde bald das einflußreichste Presseorgan seiner Zeit. Zum Beispiel die Artikel von Hengstenberg zu Beginn jeden Jahres, in denen er alle Erscheinungen des kirchlichen Lebens behandelte und zu kritisieren pflegte, "erfreuten sich eines fast kanonischen Ansehens bei ihren Lesern". Der "politische Lehrmeister" der Kreuzzeitungsleser war aber Wagener mit seinen berühmten zwölfzeiligen Leitartikeln, die "in bewundernswürdiger Klarheit, Furchtlosigkeit und fast rhythmischer Schönheit die christlich-konservativen Grundwahrheiten entwickelten".

    Darüber hinaus agierte die Ritterschaft des Reiches mit großem finanziellen Aufwand mit Inseraten, Leserbriefen und anderen Veröffentlichungen in den verschiedensten Publikationsorganen in ihrem Sinne zur Propagierung konservativer Ideen.

    (Literatur u.a.: Heffter: Die Kreuzzeitungspartei und Bismarcks Kartellpolitik. 1927.)

    Als die Nationalversammlung im Juli 1848 die volle Durchführung der Bauernbefreiung und damit den Aufhebung des gutsherrlichen Jagdrechts beschloß, da erhielt die konservative Bewegung den nachhaltigsten Auftrieb. Unter Leitung v. Bülow-Cummerow bildete sich im Juli 1848 der "Verein zur Wahrung der Interessen des Großgrundbesitzes und zur Aufrechterhaltung des Wohlstandes aller Klassen des Volkes", von den Demokraten als "Junkerparlament" verspottet.

    Ihre vornehmste Aufgabe sah die KP darin, den "vormärzlichen" Zustand wieder herzustellen. In außenpolitischer Beziehung huldigte sie aus innenpolitischen Erwägungen dem Ideal der Heiligen Allianz mit Rußland und Österreich gegen die Westmächte, insb. Frankreich.

    In den ersten Jahres des neuen Kaiserreiches hatten die "Altkonservativen" eine recht kühles Verhältnis zur Regierung. Denn sie mißbilligten die ganze Entwicklung seit 1866, wie Preußens Aufgehen in Deutschland und die insgesamt liberale Gesetzgebung. Vertieft wurde der Streit durch die neue Kreisordnung (13. Dez. 1872) und das im Gefolge des Kulturkampfes erlassene Schulaufsichtsgesetz (13. Febr. 1872).

    Doch das auf Grund ihrer Starrheit recht erfolglose politische Agieren der Konservativen führte zu innerem Streit und zu Abspaltungen. Außer der Bethmann-Hollweg-Partei entstand die "Neue Konservative Fraktion". Die verbliebene altkonservative Gruppe versagte dem Reichskanzler weiterhin die Gefolgschaft. Radikalste Kreise gingen so weit, daß sie den Reichskanzler Bismarck persönlich angriffen und ihm unlautere Beziehungen zur Börse bezichtigten - was sich als böswillige Unterstellung herausstellte.

    Eine Reformierung der Altkonservativen in Richtung Realpolitik geschah am 7. Juli 1876 mit der Gründung der "Deutsch-Konservativen Partei", deren Name schon zeigte, daß sie sich mit dem konstituellen Deutschen Reich abgefunden hatten.

    (Weiterführende Literatur:
    - v. Dewitz: Von Bismarck bis Bethmann. Innenpolitische Rückblicke eines Konservativen. 1920.
    - v. Heydebrand: Beiträge zu einer Geschichte der KP in den letzten 30 Jahren (1888-1919). In: Konserv. Monatsschrift Mai-Aug. 1920.)

    Neben der KP waren es vor allem Vereine, die im konservativen Sinne tätig waren und den Geist des Volkes beeinflußten.

    Dazu gehörten
    - die Gemeinde-, Kirchen und Pastoralvereine,
    - die Vaterlands- und Preußenvereine sowie
    - die Vereine für König und Vaterland.

    Nicht zuletzt die Veteranen von 1813/15 und die Landwehrleute, "in denen starkes preußisches Selbstgefühl lebendig war, preußische Staatsgesinnung und Königstreue". "Unter den begeisternden Klängen des damals entstandenen, herrlich stolzen Liedes 'Ich bin ein Preuße', kamen sie zusammen, traten der Demokratie entgegen und geboten ihrer zersetzenden Wühlarbeit Einhalt", heißt es beim MEUSEL (Bismarck, Arnstedt und der patriot. Verein der Zauche, 1915).

    Fürst von Bülow, Reichskanzler 1900-08, sagte 1913 zum Konservatismus:

    "Es ist wohl zu unterscheiden zwischen einem Staatskonservatismus, dem die Regierung folgen kann und einem Parteikonservatismus, dem keine Regierung in Deutschland folgen darf, ohne in eine verhängnisvolle Parteilichkeit zu geraten.

    Mit anderen Worten: Die Regierungspolitik kann so lange mit der Politik der Konservativen Schritt halten, wie diese dem wohlverstandenen Staatsinteresse entspricht. Das war und ist nicht selten der Fall. Die Wege der Regierung müssen sich von denen der konservativen Partei trennen, wenn die Politik der Partei dem Interesse der Allgemeinheit, das die Regierung zu wahren hat, nicht entspricht."



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