Das Flugzeug beim Militär

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    Das Flugzeug beim Militär

    Beitrag von Husaren14 am So Sep 30, 2012 12:37 am


    Ein Hauptmann v. Kleist beendet 1910 einen Aufsatz „Mit dem Luftschiff“ mit einem Ausblick auf die Flugzeugentwicklung. Er erklärt, „daß das Flugzeug keiner gasgefüllten Hülle bedarf, sondern sich nur durch die Kraft des Motors und das Geschick des Führers erhebt und schwebend hält. Auf diesen Umstand beruhen seine Vorzüge und Nachteile gegenüber dem Luftschiff. Es ist unabhängig von dem schwierigen Gasersatz und leicht fortzuschaffen, dafür aber nicht so tragfähig, kann nicht so lange in der Luft bleiben und ist vor allem viel weniger betriebssicher, denn jeder Bruch der Steuerungseinrichtungen oder der Tragflächen führt zu sicherem Absturz. Immerhin verspricht seine Verwendung im Kriege selbst bei dem heutigen Stande große Vorteile, und die deutsche Heeresverwaltung ist daher eifrig bemüht, das Flugzeug weiter zu entwickeln und die erforderliche Zahl geübter Führer auszubilden. - Wie sich die Taktik der Luftschiffe und Flugzeuge entwickeln wird, das läßt sich derzeit noch nicht sicher voraussagen. Es ist aber wahrscheinlich, daß diese neuen Elemente der Kriegsrüstung nicht nur imstande sein werden, gegen feindliche Streitkräfte und Streitmittel zu Lande und zu Wasser mit wirklichem Erfolge zu wirken, sondern daß sie auch den Kampf gegenüber nicht scheuen werden. Wer den Gegner vertreibt, kann dann in Ruhe beobachten.“


    Den ersten gesteuerten Motorflug der Menschheitsgeschichte absolvierte am 18. August 1903 der Hannoveraner Stadtangestellte Karl Jatho in der Vahrenwalder Heide. Vier Monate später folgten die Gebrüder Orville und Wilburg Wright in den USA, die seltsamerweise dafür den Ruhm als erste Motorflieger ernteten. In Magdeburg baute der damals 29-jährige Ingenieur Hans Grade 1907 seinen ersten Dreidecker. Im Herbst 1908 machte er nicht weit von Jüterbog in dem heutigen Borkheide bei Belzig die ersten Erprobungen. Rollen der Maschine und kleine Sprünge waren die zaghaften Versuche, die Hans Grade vor neugierigen Zuschauern wagte. Am 28. Oktober 1908 gab es den ersten deutschen Motorflug, der mehr einen Zufall als der Absicht entsprang und noch lange nicht die Merkmale eines gesteuerten Zielfluges hatte.


    Im gleichen Jahr stiftete Dr. Karl Lanz in Mannheim den „Lanzpreis der Lüfte“, dotiert mit 40000 Goldmark sollte er dem zufallen, der mit von einem Deutschen konstruierten, mit deutschem Material gebauten Flugzeug ein vorgeschriebenes Programm fehlerfrei absolvierte. Hans Grade schaffte es, den Preis zu erringen. Von der Gewinnprämie erbaute er in Bork seine Grade-Fliegerwerke, eine von vielen deutschen Flugzeugproduktionsstätten, die in dieser Zeit ihre Gründung erleben. Nur wenige von ihnen konnten sich einen Namen machen.


    „Erst beachtliche Erfolge französischer Militärflieger während der Armee-Manöver 1909,“ also zur selben Zeit als Grade seinen ersten Preis holte, schreibt Archivrat Major a. D. Arndt in seinem Aufsatz „Die Fliegerwaffe im Weltkriege“, „veranlaßten das preußische Kriegsministerium, auf Drängen des Großen Generalstabes die ersten bescheidenen Mittel zur Ausbildung von Flugzeugführern zur Verfügung zu stellen.“ Im Ergebnis dessen geschah 1910 die Gründung einer zunächst „provisorischen“ Fliegerschule in Döberitz. „Eine frische Schar wagemutiger Offiziere stellte sich begeistert zur Verfügung. Namen wie Mackenthun, Thüna, Wildberg, de le Roi, Carganico, Fisch, Fugwer, Oertzen seien aus der Reihe der ersten deutschen Fliegeroffiziere genannt.“ Ende 1910 erfolgte die Umwandlung der Fliegerschule in ein Fliegerkommando der Luftschifferabteilung der Verkehrstruppen.

    Ausbilder der ersten Militärflieger war ein Mann namens Brunnhuber, Pilot bei den Albatros-Flugzeugwerken. Das Hilfspersonal bestand aus einem Unteroffizier und ganzen sechs Mann. Recht schnell kam die Jüterboger Garnison in Kontakt mit dem Flugwesen. Hier war es besonders Leutnant Mickel, der sich für den Einsatz von Flugzeugen zur Artilleriebeobachtung einsetzte. Nach ersten Vorgesprächen telegrafierte der Adjutant der Jüterboger Feldartillerie-Schießschule am 28. Oktober 1911: „Drahtantwort erbeten, wann Flugzeug hier eintrifft.“ Auch Gallwitz von der Kgl. General-Inspektion der Feldartillerie notierte ungeduldig: „Da seit Eingang der kriegsministeriellen Verfügung vom 23.10.11 Nr. 1383 geh. A 4 durch die entstandenen Weiterungen schon 12 Tage vergangen sind, besteht die Gefahr, daß die für die Abhaltung der Flüge günstige Witterung inzwischen aufhört.“

    (Quelle: H. Schulze, Geschichte der Garnison Jüterbog, Osnabrück 2000.)





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    Re: Das Flugzeug beim Militär

    Beitrag von Husaren14 am So Sep 30, 2012 12:39 am

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    Albatros MZ I


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