Krieg als Kostümfest

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    Re: Krieg als Kostümfest

    Beitrag von Ulmer-Pionier am So Nov 17, 2013 9:40 am

    Es war nicht meine Intention qualitativ zwischen Friedens- und Kriegsdarstellung zu unterscheiden!

    Was ich aber gerne unterscheiden würde, sind die unterschiedlichen Motivationen, ohne diese aber generell/grundsätzlich werten zu wollen.

    Kurz und knapp!

    Ich meine zwei generelle Strömungen in der Szene ausgemacht zu haben, ich will hier nur auf die ernstzunehmenden Darsteller eingehen, ansonsten wären es mehr. Die, die gerne selbst erfahren und diejenigen, die mehr Gewicht auf die Vermittlung legen. Natürlich gibt es da auch Überschneidungen und Mehrfachpräferenzen!

    Ich selber will mich bei den "Vermittlern" verortet wissen!

    Auch geht mir ganz persönlich der Spaß ab am Kriegspielen, nahezu grundsätzlich, zumindest was unsere und viele anderen Epochen angeht. Was nicht im Umkehrschluß bedeutet, daß ich diesen Spaß nicht anderen gönne. Wer das gern macht, soll wie ihm beliebt!

    Über den Acker zu "springen" reizt mich ebensowenig wie im Schützengraben zu "hocken" und zu warten was passiert. Ein Schlachtfeld taktisch zu erkunden oder einen Schützengraben zu bauen reizt mich dagegen mehr. Mir gefällt auch der Kontakt zum Publikum, ich teile mich sachbezogen gerne mit.

    Ich will inhaltliches Interesse bedienen und weniger (am besten gar nicht) das "Käschberle" für "Schlachtenbummler" machen!

    Gerne würde ich auch noch klarstellen, daß ich keine Unterscheidung zwischen "buntem" und "feldgrauem" Krieg treffe!



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    Re: Krieg als Kostümfest

    Beitrag von IR70 am Mo Nov 18, 2013 3:16 am

    Ulmer-Pionier schrieb:
    Ich selber will mich bei den "Vermittlern" verortet wissen!
    Sehr interessante These.

    Wie aber will ich dem Publikum etwas "Vermitteln" wenn mir die Erfahrung aus dem selbst erlebten fehlt?
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    Re: Krieg als Kostümfest

    Beitrag von leibgrenadier am Mo Nov 18, 2013 5:52 am

    IR70 schrieb:
    Ulmer-Pionier schrieb:
    Ich selber will mich bei den "Vermittlern" verortet wissen!
    Sehr interessante These.

    Wie aber will ich dem Publikum etwas "Vermitteln" wenn mir die Erfahrung aus dem selbst erlebten fehlt?
    Dann wird eben nicht das "Erlebte" vermittelt, sondern das "Erlesene".
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    Re: Krieg als Kostümfest

    Beitrag von Ulmer-Pionier am Mo Nov 18, 2013 9:39 am

    Eine durchaus berechtigte Frage!

    Aber in meinem Fall gebe ich ja keine "Kriegsgeschichten" zum Besten, sondern erarbeitetes Wissen (in der Tat auch "erlesenes") hauptsächlich zu den Themenbereichen Festungsplanung, -bau, -betrieb und -entwicklung.

    Ich habe zwar noch keine Festung gebaut, aber in meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz befinden sich dennoch so Fertigkeiten wie Tiefbau, Mauererarbeiten, Zimmerer- und Schreinerhandwerk. Ich hab auch schon Wände verputzt und Dächer gedeckt. Auch habe ich schon den ein oder anderen Steg, ein "Brückle" oder ein "Unterständle" gebaut, habe schon eigenhändig das ein oder andere "Bootle" übers Wasser gerudert. Pläne skizziert und gezeichnet. Ich hab sogar schon mindestens ein "Stückle" Kohle mit bloser Hand in den Kessel einer Dampflok geschmissen.

    Ich kann auch mit Wasser-, Setzwaagen, Maßbändern und Meßlatten und inzwischen auch mit einem Nivelliergerät umgehen!

    Ich gebe zu, daß dies alles einfache Tätigkeiten im Vergleich zum Kriegspielen sind (ich meine das ganz ohne Häme), denn wenn ich sowas gemacht habe, dann mußte ich mir keine Rechtfertigungen dafür zurechtlegen!

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    Re: Krieg als Kostümfest

    Beitrag von Leibhusar1911 am Mo Nov 18, 2013 9:40 am

    Es ist etwas schwierig, für mich, das zu formulieren, was ich jetzt hier zu Papier bringe, aber ich versuche es mal. Ich denke, das man immer nur einen kleinen Ausschnitt aus einer Zeit oder Epoche darstellen kann, den jede Figur die Dargestellt wird, war ja nicht nur Soldat oder Offzier, sondern es hingen ja noch andere "Leben" an dieser Person wie die Familie, der Beruf und so weiter,
    man wird sich also nur mit einem bestimmten Punkt im Leben dieser Person beschäftigen können, in ddiesem Fall die Militärzeit. Wenn ich hier z. B. meinen Urgroßvater nehme, dessen Namen ich übrigens trage, der schon in den ersten Tagen des Krieges an der Hand verwundet wurde, diese an sich harmlose Wunde brachte ihn Wundbrand, in dessen Folge er den Arm amputiert bekam, da war doch die Geschichte noch nicht aus, sondern sie ging ja weiter, wie er sich damit zurechtfinden mußte, seinen landwirtschaftlichen Betrieb weiterführte und seine Familie durch die schweren Zeiten bringen, wie will man das darstellen? So gesehen kann man also nur einen kurzen Blick auf die Zeit und ihre Darstellung verwenden. Es ist in meinen Augen doch das wichtigere Anliegen, das die Epoche, die dargestellt wird, den Leuten zu vermitteln, auf das diese nicht der Vergessenheit anheimfällt, wenn das gelingt, egal ob in Zivil oder als Militär, dann hat man doch seinen Beitrag zu der Sache geleistet.
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    Re: Krieg als Kostümfest

    Beitrag von IR70 am Mo Nov 18, 2013 10:26 pm

    Christian, eine ganz bescheidene Frage. Warum trägst Du Uniform?

    Um Dein Wissen dem interessierten Publikum näher zu bringen, wäre doch eine schöne Zunftkleidung völlig ausreichend.

    Die Frage ist jetzt ohne jegliche Häme oder Ironie gestellt.
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    Re: Krieg als Kostümfest

    Beitrag von Ulmer-Pionier am Di Nov 19, 2013 1:17 am

    Festungen wurden von Militärs geplant und von eben solchen "belebt"!

    Ein Handwerker wäre nur während der eigentlichen Bauphase anzutreffen gewesen und das auch nicht überall, zudem wäre er wohl kaum kompetent genug gewesen, die militär-taktischen Aspekte so einer Festung zu erklären.

    Und den Bildern, zumindest aus Ulm, zufolge, wurde keine Zunftkleidung getragen. Und was man landläufig als Zunftkleidung der Zimmermänner so kennt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach erst nach dem WKII zur "Mode" geworden. Ich habe zumindest noch keine älteren Bildbelege dazu gesehen.


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    Hier mal ein Bild von Maurern beim Bau der evangelischen Garnisonskirche 1909.


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    Und hier ein paar Straßenbauer um 1890.


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    Und hier Pioniere bei der (Demolier-)Arbeit beim Stuttgarter Tor 1906.
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    Re: Krieg als Kostümfest

    Beitrag von IR70 am Di Nov 19, 2013 1:48 am

    Ulmer-Pionier schrieb:Festungen wurden von Militärs geplant und von eben solchen "belebt"!

    Ein Handwerker wäre nur während der eigentlichen Bauphase anzutreffen gewesen und das auch nicht überall, zudem wäre er wohl kaum kompetent genug gewesen, die militär-taktischen Aspekte so einer Festung zu erklären.

    Und den Bildern, zumindest aus Ulm, zufolge, wurde keine Zunftkleidung getragen. Und was man landläufig als Zunftkleidung der Zimmermänner so kennt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach erst nach dem WKII zur "Mode" geworden. Ich habe zumindest noch keine älteren Bildbelege dazu gesehen.
    Und schon ist man wieder auf der Rechtfertigungsschiene.
    Einfach ausgedrückt, weil es Spaß macht, Uniform zu tragen.

    Warum trage ich Uniform, weil es mir eben einmal Spaß macht.

    Und genau so ist es mit den vielen die in Leipzig die Völkerschlacht nachgestellt haben, die auf Kavalleriemeisterschaften fahren, die Mittelalter, Wikinger, Landsknechte und was weiß ich noch alles darstellen. Weil es ihnen Spaß macht.
    In wie weit ein jeder seine Darstellung vertieft, ist denjenigen selbst überlassen.

    Leider sind wir hier in unserm Lande so gestrickt, dass wir uns für alles rechtfertigen müssen. Liegt wahrscheinlich an dem Schuldkult der künstlich am Leben gehalten wird.

    Ich wurde schon oft von meinen Schülern gefragt, was ich für ein Hobby betreibe. Nachdem ich darauf geantwortet habe, war die nächste Frage nach dem WARUM. Ganz einfach, es macht mir Spaß.

    Die subsidiäre Meinungen irgendwelcher friedensbewegten Weltverbesserer interessiert mich daher herzlich wenig.
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    Re: Krieg als Kostümfest

    Beitrag von Kaiserulan am Di Nov 19, 2013 4:15 am

    Ehrlich, Christian. Deine Argumentation ist so verkopft, das glaubt Dir keiner. Weder einer der sich damit auskennt, noch jemand unbedarfter.

    Etwas macht man als Hobby, weil es grundsätzlich Spaß macht. Es hat was mit Gefühl und wenig mit Kopf zu tun.

    Und das ist wirklich die Rechtfertigungsfalle, in die viele in vorauseilendem Gehorsam tappen und dadurch nur für sich die Sache noch schlimmer machen.

    Wenn dich jemand fragt, ob du nicht Militär verherrlichst, stellt er Dir bewusst eine Fangfrage, um Dich zu diskreditieren. Wenn du auf die Frage direkt antwortest, bist du in der Falle und er kann Dich vor dem Publikum vorführen. Denn das ist sein Ziel. Den Frager überzeugst du nie, egal, was du sagst. Was also tun? Du musst Dir klar machen, dass - wenn du antwortest - dein Ziel die anderen Zuhörer sind und nicht der Frager. Deshalb musst du sie ansprechen. Warum also nicht sagen, es macht Spaß und man freut sich, dass sich so viele Zuschauer dafür interessieren und sich dadurch wieder mit Geschichte beschäftigen. Und wir laden alle ein, mitzumachen. Und als Seitenhieb kann man - wenn man will - noch an den Frager gewandt loswerden, ob er denn wirklich so naiv sei, zu glauben, dass das Kriegsverherrlichung sei. Jedes Kind, welches das sieht, wird sofort klar, dass da viele Menschen gestorben sind. Man bekommt erst einmal ein Gefühl dafür, wenn man die Infanteriemassen aufeinander feuern sieht.
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    Re: Krieg als Kostümfest

    Beitrag von Leibhusar1911 am Di Nov 19, 2013 9:53 am

    Ich gebe "Kaiserulan" dort in der Sache recht.Um noch mal auf die Veranstaltung in Leipzig zurückzukommen, wie viele Personen waren da? Zuschauer und Akteure knapp unter 10.000, wenn ich mich nicht irre, darunter sicherlich auch welche aus meiner Region und was wird in der Rubrik Leserbriefe, auf die ich schon hingewiesen habe, abgedruckt? Ein Brief, auch noch von jemanden der sicherlich nicht dabei war, der sich aber ausschließlich negativ äußert. Wie heißt es so schön, es gibt eine öffentliche Meinung und eine veröffentliche Meinung. Beides muß nicht immer übereinstimmen. Kommen sie alle gut durch die Nacht.
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    Re: Krieg als Kostümfest

    Beitrag von Ulmer-Pionier am Mi Nov 20, 2013 6:29 pm

    Tja was soll ich da noch schreiben Peter, wenn's zu "verkopft" ist und eh kein "Mensch glaubt"?

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