Korporationen

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    Gardestern

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    Korporationen

    Beitrag von Gardestern am Di Feb 05, 2013 8:19 pm

    Ottenstein schrieb am 17.03.2010:

    Korporationen bzw. Verbindungen im Allgemeinen wurden schon zur Zeit der Gründung der ersten Universitäten in Bologna und Paris zur Zeit Friedrich Barbarossas gegründet. Im Laufe Jahrhunderte entwickelten sie sich in die im Kaiserreich (und heute) gültigen Form.

    Jedoch waren die meisten Verbindungen nicht wirklich konservativ. Im Zuge der Befreiungskriege gründete sich die Urburschenschaft und 1818 die Allgemeine deutsche Burschenschaft. Die Bruschenschaften waren im Gegensatz zu den früheren Landsmannschaften und späteren Corps politisch und "gesamtdeutsch" und träumten von einer deutschen Einigung, lange bevor die Mächtigen daran dachten.
    Als 1819 der Dichter Kotzebue durch den Burschenschafter Sand ermordet wurde, konnte sich die Reaktion durchsetzen. Durch die Demagogenverfolgung und die Karlsbader Beschlüsse wurden alle Arten von Studentischen Verbindungen, angefangen bei den Burschenschaften und den Orden, die politisch waren, sowie die Corps (alte Landsmannschaften) bis zu den neuen Landsmannschaften sowie den (teilweise politischen) Turnerschaften.
    Erst um 1840 ließ der Druck nach und im ZUge der Revolution 1848 ließ der Druck ganz nach. Immerhin waren mehr als 50 % der Parlamentarierer der Paulskirche ehemalige Verbindungsstudenten.

    Jedoch wurden die Verbindungen zunächst nur in den Kreisen der akademisch gebildeten Gesellschaft anerkannt. Erst als die Verbindungen (hinzugetreten waren inzwischen konfessionelle und christliche Verbände wie CV, KV und Wingolf) sich im Zuge der Reichsgründung 1871 eindeutig zum Vaterlandsprinzip bekannten, nahmen die behördlichen Vorbehalte weiter ab und als wichtige Persönlichkeiten wie Wilhelm von Württemberg, Wilhelm II von Preußen und Christian von Sachsen sich Verbindungen anschlossen und als Bismarck sich zu seinem Corps offentlich bekannte, wurden die Verbindungen hoffähig.

    Allerdings nahm zu diesem Zeitpunkt auch teilweise (nicht bei allen Verbindungen und Verbänden) die "Vetternwirtschaft" zu. So soll ein Prinz nach einer Kneipe (studentische Art der Feier) gesagt haben: "Da liegt mein halbes Kabinett unter dem Tisch!"


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