Burschenherrlichkeit

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    Gardestern

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    Burschenherrlichkeit

    Beitrag von Gardestern am Do Dez 27, 2012 4:27 am

    Aus einem Berlin-Buch des Jahres 1894:

    "Ich meine... den Offiziersburschen in all seiner Herrlichkeit, der in dämmernder Morgenfrühe auf dem Hofe über dem Rock seines Vorgesetzten die Knute - recte Klopfpeitsche - schwingt, der über die Kinder seines Herren besser wacht als die treueste Amme, der das Einkaufen in der Markthalle so gut versteht, wie die perfekte Köchin, der Stiefelputzer, Silberdiener, Groom (engl., hier wohl als Stallmeister und nicht als Bräutigam gemeint - H.S.), Reitknecht und Wartefrau in einer Person ist - der zu dem Mädchen für Alles das einzige männliche Seitenstück in dem Mann für Alles geschaffen hat! - Heil einem gutem Burschen! Er ist das notwendigste Möbel in einem Offiziers-Haushalt, und er kann sich voll Stolz seiner Unentbehrlichkeit bewußt sein, wenn er des Sonntags Abends an Dörthens Arm auf den Tanzboden zieht, um dort alle Welt durch die Würde seines Auftretens und die feinen Zigarren aus seines Herren bester Kiste zu imponieren. Er liebt es, die äußeren Gewohnheiten seines Gebieters zu kopieren - freilich nur dann, wenn der letztere nicht zugegen ist und läßt sich gern von seinen Kameraden mit dem Namen seines Herren anreden. Er hat auch seine kleinen Schwächen wie andere große Männer, aber er zeigt sich nur, wenn er sich in weiter Entfernung von gewissen strengen Augen befindet... Auf der Straße ist der Offizierbursche gemeinhin dadurch von anderen Soldaten zu unterscheiden, daß er fast immer Etwas trägt: ob es nun Schlittschuhe sind, ober Bücher, oder die neuen Hosen des Herren Obersten, die er vom Schneider geholt hat - mit leeren Händen sieht man ihn fast nie auf dem Pflaster Berlin, diesen wackeren und unermüdlichen "Mann für Alles".
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