Soldatensprache

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    Gardestern

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    Soldatensprache

    Beitrag von Gardestern am Mo Okt 15, 2012 7:13 pm

    Zum Stichwort Sanitätswesen

    Die gewöhnlichen Sanitätsdienstgrade wurden von den Kameraden als F l e i s c h e r ,
    T o t e n g r ä b e r oder gar
    H e n k e r s k n e c h t e abqualifiziert.
    Grobe Begriffe waren auch
    L a t r i n e n i n g e n i e u r oder
    A f t e r g e o m e t e r. Speziell bei den berittenen Truppen gab es Spitznamen für sie wie
    K a r b o l d r a g o n e r oder
    P i l l e n u l a n e n.



    Oberstabsarzt – Karbolmajor.

    Sanitäter – Aspirin-August, auch Leichenheinrich.

    Sanitätsunteroffizier – Opiumfritze.

    Sanitäts-Beamte waren L e i b s c h ü s s e l- oder B e t t p f a n n e n h u s a r e n .

    Unterärzte sind von der Mannschaft als
    L a z a r e t t- oder
    K a r b o l f ä h n r i c h e abqualifiziert worden. Folglich war der Zahnarzt bei der Truppe ein P l o m b e n f ä h n r i c h.

    Der ungediente Zivilarzt in der Uniform der Stabsärzte galt als
    B a n d w u r m l e u t n a n t, wegen der fehlenden Achselklappen und den Äskulapstäben („Bandwurm“) am Kragen.
    Auch mußten Ärzte sich als
    N i l l e n f l i c k e r, speziell wegen der Behandlung venerischer Infekte, titulieren lassen.
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    Re: Soldatensprache

    Beitrag von Gardestern am Mo Okt 15, 2012 7:15 pm

    Speisen in der Soldatensprache

    Der heute allgemein bekannte Begriff
    „G u l a s c h k a n o n e“ für die fahrbare Feldküche soll im Herbst 1914 zu Beginn des Ersten Weltkrieges entstanden sein. Sie konnte auch
    H u n g e r a b w e h r k a n o n e heißen.

    Wenn vergeblich auf sie gewartet wurde, dann hieß es, der Soldat „ s c h i e b t
    K o h l d a m p f“ oder „s c h n a p p t
    L u f t k l ö ß e u n d W i n d s u p p e“. Die Speisekarte der hungernden Soldaten beinhaltete Gerichte wie „L u f t s u p p e u n d
    W i n d b o u l e t t e“ .

    Wenn es einfaches Essen gab, so konnte der Soldatenhumor auch dem Simpelsten noch besten Seiten abgewinnen. In Offizierskreisen hieß im Ersten Weltkrieg das Selterswasser „S e k t
    i n Z i v i l“ und bei den niedrigen Chargen nannte man das Kommißbrot
    „K a i s e r – W i l h e l m – T o r t e“ bzw.
    „K a i s e r t o r t e“ oder
    „K a i s e r k u c h e n“.

    Andererseits wurde in der Truppe gern das Essen mit derben Vergleichen verächtlich gemacht. Der Kaffee heißt dann „S p ü l w a s s e r“ oder
    „N e g e r s c h w e i ß“ und wenn er aus Ersatzstoffen gebrüht wurde konnte das Getränk
    „O t t e r n s c h l e i m“ heißen.

    Die Marmelade wurde schon vor hundert Jahren spaßig als „A t h l e t e n f e t t“ oder
    „-s c h m i e r e“ bezeichnet. Gulasch war damals „E l e f a n t e n k l e i n“, die Erbsen mit Sauerkraut „L e h m und S t r o h“, dicker Reis mit Knackwürsten ist „b l a u e r H e i n r i c h m i t R e g e n w u r m“ genannt worden, Kartoffelklöße mit Rindfleisch waren
    „G u m m i b ä l l e mit W i s c h h a d e r“ (zu Hader = Lumpen, Lappen), das Schmalz (auch Margarine) hießen „A f f e n f e t t“, der Handkäse „S c h u s t e r – oder
    M a u r e r k o t e l e t t“ ja sogar als
    „H a n d g r a n a t e“ deklariert , Rindfleisch (wohl wegen der Zähigkeit“ trägt den Namen
    „K r o k o d i l f l e i s c h“. Die schwäbischen Spätzle sind „F i l z l ä u s e“, wobei auch die Griessuppe den Namen „F i l z l a u s s u p p e“ tragen kann. Die Graupen dagegen sind als
    „K ä l b e r z ä h n e“, Linsen als
    „G a m a s c h e n k n ö p f e“ und weiße Bohnen als „M a n s c h e t t e n k n ö p f e“ bekannt. Wenn die Erbsen hart und nicht gar waren, dann hießen sie bei der Truppe
    „S c h r a p p n e l l k u g e l n“.
    „S c h r a p p n e l l s u p p e“ war die Erbsen- oder Bohnensuppe. Es gibt zahllose weitere solcher kreativen Namensgebungen für die verschiedenen Nahrungsmittel und Gerichte: Mohrrüben sind
    „M e s s i n g d r ä h t e“ oder auch
    „P o l i z e i f i n g e r“, gelbe Rüben
    „G a l g e n- oder S a r g n ä g e l“, Rübenstücke „G r a n a t s p l i t t e r“.
    Der Weißkohl wurde als „F u ß l a p p e n“ oder „Q u a d r a t l a t s c h e n“ (eigentlich „große Stiefel“) bezeichnet. Folglich waren „F u ß l a p p e n mit F l ö h e n“ Weißkohl mit Kümmel.
    Unter „H a n d g r a n a t e n mit
    U n t e r s e e b o o t e n“ verstand man im Kaiserlichen Heer Pellkartoffeln mit Heringen. Das Sauerkraut nannte die Truppe
    „S c h i e ß b a u m w o l l e“.
    Mit „D r a h t v e r h a u“ konnte man gleichermaßen Sauerkraut wie auch Fleischkonserven, Dörrgemüse oder Nudeln meinen. Die Makkaroni sind ebenso martialisch als
    „G e w e h r l ä u f e“ und Nudeln als
    „G a r d e l i t z e n“ bezeichnet worden.

    Quellen:
    Günther, L.: Die deutsche Gaunersprache und verwandte Geheim- und Berufssprachen. Gießen 1919.
    Horn: Die deutsche Soldatensprache. Gießen 1905.

    Und wenn es Freitags Fisch geben sollte:

    Der Hering hieß im Kaiserlichen Heer
    „S c h n e i d e r- oder
    S c h u s t e r k a r p f e n“ oder auch die
    „S c h ü t z e n g r a b e n f o r e l l e“.

    Bei der Marine dagegen war er der
    „S e e s o l d a t“ oder der „S e e k a d e t t“ bzw. hießen sämtliche Speisefische allgemein
    „A u ß e n b o r d s k a m e r a d e n“.

    Bea ergänzte am 31.01.2010: Kleiner Hinweis zum Feldkochherd (umgangssprachlich Gulaschkanone), dieser ist 1892 von Karl Rudolf Fissler von der Firma Fissler aus Idar-Oberstein entwickelt worden.

    Siehe hierzu: [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]

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